Strandkörbe an der Nordsee

Deutsche Nordsee / Nordfriesland

Welche Landschaft schafft es schon, sich rund alle sechs Stunden komplett zu verwandeln? Wer an die deutsche Nordseeküste kommt, kann es erleben. Wenn sich die Flut zurückzieht, gibt sie einen Schatz frei: In der Deutschen Bucht fallen dann insgesamt rund 3500 Quadratkilometer Meeresgrund trocken;auf einem Streifen der zwischen fünf und 20 Kilometer breit ist – die grösste Wattfläche der Welt. Auch der Artenreichtum ist eine Besonderheit: Das Wattenmeer gehört zu den produktivstenLebensräumen des Planeten, ist Heimat oder Rastplatz unzähliger Seehunde, Vögel, Fische und Kleinstlebewesen, von denen hunderte nur hier vorkommen. Der Mensch hat erkannt, dass diese Lebensgemeinschaft geschützt werden muss: Die drei Nationalparks Niedersächsisches, Hamburgisches und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer umfassen insgesamt knapp 7400 Quadratkilometer Watt – und Wasserflächen, Salzwiesen, Strände oder Dünen.

Fahrt nach Nordfriesland

Wie-Wo-Watt… Das Wattenmeer und die diversen Inseln in der Nordsee kannten wir nur vom Hörensagen. Bei Friesland kam mir spontan nur Otto in den Sinn. Diesen Frühsommer hatten wir 2 Wochen Zeit und die wollten wir ganz spontan an der Nordsee verbringen.

Wir haben uns den Reiseführer vom Michael Müller Verlag „Schleswig-Holstein-Nordseeküste und Inseln“ besorgt und dann ging es am 31.Mai ohne grosse Planung los Richtung Norddeutschland.
Da es doch ca. 900km bis zu unserem ersten Ziel waren, haben wir einen Zwischenhalt in Hann. Münden gemacht.
Im Internet hatten wir uns ein paar Adressen von kleinen Hotels besorgt und so hatten wir kurz nach unserer Ankunft in einem Garni.Hotel eine Bleibe für ein Nacht.
Hann.Münden hat uns sehr gut gefallen. Nachdem wir die paar Strassen der Altstadt zu Fuss erkundet hatten, gab es noch was zu Essen und dann ging es ab ins Bett.

Westerheversand auf Eiderstedt

Am nächsten Morgen ging es nach einem reichhaltigen Frühstück weiter Richtung Norden. Langsam mussten wir uns Gedanken machen wo wir eigentlich genau hinwollten.
Wir passierten Hamburg und bestaunten die imposante Hafenanlage von der Autobahn aus. Danach wurde die Landschaft noch flacher und der Horizont noch weiter als sie es eh schon war.
Der Reiseführer leistete seinen ersten guten Dienst. Wir steuerten auf Rat von unserem Reiseführer, das Landhotel „Kirchspielkrug“ in Westerhever an. Unsere eigentliche Reise sollte also in Westerhever beginnen. Von Westerhever wusste ich, dort steht der meist fotografierte Leuchtturm von Deutschland, der Westerheversand Leuchtturm. Der Weg zum Landhotel führt über eine Landstrasse, wunderschön umgeben von Wiesen und grasenden Schafen.
Nachdem wir Quartier bezogen hatten , machten wir uns auf zum Leuchtturm. Der Leuchtturm Westerheversand liegt auf einer Warft vor dem Ort Westerhever. Nach gut 5 min.Fahrt waren wir beim Parkplatz. Vom Parkplatz führt ein ca. 2km langer Spazierweg mit phantastischem Blick über das Watt und die Salzwiesen zur Sandbank. Das Wetter war kühl (14°C) und etwas bewölkt. Die Landschaft war aber überwältigend. Was für ein Traumstart für unsere Reise.

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Westerhever Leuchtturm

Der Leuchtturm Westerheversand liegt auf einer Warft vor dem Ort Westerhever

Das Hotel können wir nur empfehlen. Es ist absolut ruhig und traumhaft gelegen und der Empfang war sehr herzlich. Das Frühstück war ebenfalls in Ordnung. Reservieren ist in der Hauptsaison sicher angebracht. Das Hotel hat nur sieben Zimmer.

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Zimmer mit Aussicht – Blick von unserem Zimmer im Kirchspielkrug

Tönning und Friedrichstadt

Wir blieben zwei Nächte in dem Hotel und machten diverse Ausflüge auf der Halbinsel Eiderstedt. Wir besuchten unter anderem die kleinen Städte Tönning und Friedrichstadt.

Das Wetter hatte nun definitiv umgeschlagen auf sehr sonnig. Es war aber immer noch recht kühl. Sonnenaufgang war bereits vor fünf Uhr und Sonnenuntergang etwa um 22Uhr. Die langen Tage setzten mir etwas zu, da ich mit den ersten Sonnenstrahlen im Zimmer jeweils wach war. Einmal schaffte ich es, kurz nach Sonnenaufgang beim Westerhever Leuchtturm zu sein. Es war ein wunderbares Erlebnis quasi mit den Schafen aufzuwachen. Ausser den Schafen war eigentlich nie jemand dort draussen. Die paar mal wo wir dort waren, trafen wir höchstens eine Hand voll Leute. Am späteren Abend war das Gebiet menschenleer.

Der Rote Haubarg

Wenn man auf Eiderstedt ist, sollte auch ein Besuch des Roten Haubarg nicht fehlen. Der Rote Haubarg ist ein historischer Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert .

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Der Rote Haubarg ist ein historischer Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert und liegt auf der Halbinsel Eiderstedt

Eine wichtige Destination auf Eiderstedt wollten wir noch besuchen, St.Peter-Ording. Zuerst suchten wir aber noch unsere Bleibe für die kommende Nacht auf. Den Tipp hatten wir wieder aus unserem Reiseführer. Das Gästehaus Andresen, etwas ausserhalb von Tating ist ein Bilderbuch-Reetdachhaus und liegt absolut ruhig auf einer Warft. Das Zimmer war nicht sehr gross aber für eine Nacht reichte der Platz vollkommen aus.

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Gästehaus Andresen in Tating

St.Peter-Ording

Die Fahrt nach St.Peter-Ordingdauerte nur eine knappe halbe Stunde. Da der Strand etwa 12km lang ist konnten wir uns zuerst nicht recht entscheiden wo wir nun unser Auto parkieren und welchen Strandabschnitt wir besuchen wollten. Wir entschieden uns dafür, das Auto in der Nähe des Restaurants zu parkieren, wo wir am Abend einen Tisch reserviert hatten. Der Tipp dazu kam natürlich… aus unserem Reiseführer. Der Tipp sollte sich dann als Flop herausstellen. Die Spaghetti musste ich dem Kellner zurückgeben und die Pizza war dann auch nicht besser.
Vorerst machten wir uns aber auf zum Strand. Nach einem 45min. Fussmarsch kamen wir beim Strand an. Der weitläufige Strand liegt auf einer dem Festland vorgelagerten Sandbank, die sich über fast 8 km Länge erstreckt. Bevor man den Strand betreten darf, muss man aber noch Kurtaxe bezahlen. Die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel aber trotzdem war es recht kühl, denn der Wind meldete sich jetzt doch recht dominant. Beim Strand angekommen mieteten wir uns einen Strandkorb. Ohne Strandkorb war an einen Aufenthalt am Strand kaum zu denken. Im Korb sitzend, brüteten wir vor uns hin, kaum aufgestanden kriegte man Gänsehaut. Der Strand selber ist unglaublich gross. Platzangst kriegt man hier nicht so schnell.
Gegend Abend suchten wir dann das vorher erwähnte Restaurant auf wo wir aus den ebenfalls bereits erwähnten Gründen nicht lange verweilten. Stattdessen gingen wir vor Sonnenuntergang nochmals zum Strand um Fotos zu schiessen. Der Sonnenuntergang war perfekt und kurz nach Sonnenuntergang sind die beiden Fotos von den Strandkörben entstanden. Die Stimmung mit den verlassenen Körben und dem menschenleeren Strand war grandios, wie in einem Science-Fiction Film.

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St.Peter-Ording

Husum

Am kommenden Morgen verliessen wir Eiderstedt und machten uns auf Richtung Husum. Etwas ausserhalb von Husum, in Schobüll, hatten wir für drei Tage ein Zimmer reserviert. In der Nebensaison kann man dies relativ kurzfristig machen. Tja, und auch diesmal kam der Tipp aus … unserem Reiseführer.
Im Hafen von Husum war gerade Ebbe aber zum Glück nicht in unserer Reisekasse und so gab es am Hafen eine Portion Kuchen mit Kaffee.

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Husum

Ein Wort zum Gasthof Magisterhof in Schobüll, in welchem wir übernachteten. Der Tipp aus unserem Reiseführer hielt was er versprach. Das Zimmer war relativ alt aber sauber und das Abendessen war sehr gut.

Inseln und Halligen

Wir hatten unterdessen viel über die Halligen gelesen und wollten nun selber die eine oder andere besuchen. Der Unterschied zwischen einer Hallig und einer Insel ist grob gesagt: Eine Hallig wird immer wieder mal überschwemmt, eine Insel in der Regel nicht. Damit das Wasser nicht jedesmal in die Küche läuft, stehen die Häuser auf einer Warft, einem kleinen Hügel.
Von Nordstrand, etwas nördlich von Schobüll, kann man verschiedene Touren mit dem Schiff buchen. Wir entschieden uns für die Tour nach Hallig Grödeaus dem Grund weil man alleine als Tourist dort nicht hindarf und weil man auf dem Weg zur Hallig an Sandbänken vorbeikommt, wo sich in der Regel zwischen 4-400 Seehunde befinden. Naja, so an die 20 Stk. haben wir sicher gesehen.
Die Überfahrt nach Hallig Gröde machte Spass, zwischendurch wurden wir immer wieder mit Infos versorgt.

Auf der Hallig hatten wir ca. 2 Std. Zeit um uns alles anzuschauen. Danach traf man sich wieder beim Schiff. Auf der Hallig fielen uns vorallem die sehr zutraulichen Schafe auf, welche für lustige Momente sorgten. Alles in allem war es ein schöner Ausflug. Wir sind eigentlich keine Herdentiere und sind lieber selbständig unterwegs aber zwischendurch mal ein Tag unter Führung ist o.k.

Amrum

Die nette Fischverkäuferin am Hafen von Nordstrand hatte uns viele wertvolle Tipps gegeben, bezüglich Ausflüge mit dem Schiff. Auf ihr Anraten hin, entschlossen wir uns einen Tagesausflug auf die Nordseeinsel Amrum zu machen. Diese Insel sei schöner als Sylt, meinte sie. Diesen Rat nahmen wir ernst und so standen wir am morgen am Hafen bereit um uns ein Ticket nach Amrum zu kaufen. Dieses mal wartete die High-Speed-Fähre MS „Adler-Express“ auf uns. In etwa 90 min. erreichten wir Amrum. Heute stand bei uns eine Wanderung auf dem Programm. Die Tour führte von Wittdün zum Leuchtturm, nach Nebel und über Steenodde zurück. Den Leuchtturm kann man besichtigen aber nur Vormittags. Diese Erfahrung mussten wir leider auch machen. Die Dauer der Tour für die ca. 12km beträgt etwa 3 Std. reine Gehzeit. Besonders der Rückweg vom Steenodder Kliff nach Wittdün ist sehr schön, da man am Wattenmeer entlang wandert.
Am späteren Nachmittag wollten wir noch einen Abstecher zum Strand machen. Der Strand von Amrum ist unglaublich breit. Es war nochmals eine kleine Wanderung bis wir das Meer erreicht hatten. Gegen 18 Uhr mussten wir wieder zum Hafen zurück, von wo aus uns das Schiff wieder nach Nordstrand brachte. Unser Fazit war, dass man eigentlich am besten 2 Tage auf Amrum verbringt.

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Lüttmoorsiel – Nordstrandischmoor

Im Geo-Spezial Heft „Nordsee“ sahen wir Bilder von einer Lore. Das faszinierte uns und so besuchten wir den Küstenabschnitt wo der Lorendamm das Festland mit Nordstrandischmoor verbindet.

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Die Geleise des Lorendamms, welcher Nordstrandischmoor mit dem Festland verbinden

In Ockholm schlugen wir für die letzten drei Tag unser Lager in der Gaststätte Bongsiel auf. Mit dieser Unterkunft waren wir einmal mehr sehr zufrieden. Direkt oberhalb unseres Fensters hatten Schwalben ihre Nester gebaut und waren eifrig daran ihre Jungen zu füttern. Wir waren sozusagen genau in der Anflugschneise.
Von Schlüttsiel aus kann man ebenfalls diverse Ausflüge mit dem Schiff machen.

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Gaststätte Bongsiel

Sylt

Amrum hat Lust auf mehr gemacht und da das Wetter gemäss Wetterbericht noche einen Tag mitspielen wollte, entschlossen wir uns, Sylt per Zug zu besuchen. Mit fast 39 km Länge und 98 Quadratkilometern Fläche ist Sylt Deutschlands grösste Nordseeinsel. In Langenhorn konnten wir unser Auto auf einem Gratisparkplatz abstellen und den Zug nach Westerland auf Sylt besteigen.
In Westerland angekommen bemerkten wir sofort den Unterschied was Sylt eben ausmacht. Alles war ein wenig schicker und teurer und die Leute braungebrannter als an den Orten wo wir vorher besucht hatten.
Gleich beim Bahnhof gibt es einen Fahrradvermieter wo wir uns gleich 2 Räder mieteten. An die Fahrräder mit dem hohen Lenker muss man sich zuerst ein wenig gewöhnen, danach sind sie aber o.k. Wir hatten uns vorgenommen bis zum Leuchtturm am Listener Ellenbogen zu fahren. Der Weg führte zuerst auf dem Fahrradweg durch eine Dünenlandschaft. Eigentlich wunderschön aber für unseren Geschmack hatte es viel zu viele Fahrradtouristen auf dem Weg. Die Strecke nach List scheint beliebt zu sein. Die Strasse zum Listener Ellenbogen ist Gebührenpflichtig. Für Fahrräder gilt das aber nicht. Irgendwo sind wir dann in den Dünen abgebogen um den Strand zu besuchen. Der Besuch des Leuchtturms war dann ein wenig hektisch. Die Zeit wurde knapp, denn um 18 Uhr mussten wir unsere Räder wieder abgeben. Viel zu früh, wenn man bedenkt, dass erst um 22Uhr Sonnenuntergang ist. Auf dem Rückweg hatte es dann wesentlich weniger Touristen. Die meisten fuhren wohl früher zurück. Im Hochsommer möchte ich Sylt lieber nicht besuchen. Mit dem Zug gings dann wieder bequem zurück nach Langenhorn. Ein Tag Sylt ist sicher zuwenig aber für einen ersten Eindruck hat es gereicht.

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Leuchtturm am Listener Ellenbogen auf Sylt

Watt-Wanderung von Hallig Oland nach Dagebüll

Für unseren letzten Tag in Nordfriesland hatten wir uns noch etwas Besonderes vorgenommen. Wir wollten nämlich mit dem Schiff nach Hallig Oland fahren und dann zurück durchs Watt wandern nach Dagebüll. Das alles unter der Führung von Boy Boysen. Ich hatte ihn zwei Tage vorher tel. kontaktiert und uns für diese Tour angemeldet.
Wir trafen ihn am morgen in Schlüttsiel am Hafen und dann ging es mit einem kleinen Kutter rüber nach Hallig Oland. Wir kriegten bereits während der Überfahrt jede Menge Informationen. Auf der Hallig angekommen, konnten wir uns umsehen und Fotos schiessen und anschliessen trafen wir uns im kleinen Gasthof auf der Terasse wo wir uns nochmals etwas stärken konnten vor der Wanderung. Die paar Stunden vergingen rasch und bald einmal war der Wasserstand tief genug, so dass wir starten konnten. Wir zogen unsere Schuhe aus und begaben uns auf den nassen aber gar nicht kalten Wattboden. Boy Boysen lief mit einer Schaufel bewaffnet voaus und wir hinterher. Hin und wieder buddelte er ein Loch und holte irgendwelches Getier aus dem Matsch, welches er uns dann präsentierte und Erklärungen dazu abgab.

Die ganze Wanderung dauerte gegen drei Stunden mit allen Zwischenhalten. Das Wetter spielte nochmals mit. es war bewölkt aber nicht kalt und erst als wir in Dagebüll ankamen, fing es leicht an zu regnen. Mit einem Car wurden wir dann nach Schlüttsiel gebracht wo wir wieder bei unserem Auto waren.
Wir können eine Watt-Wanderung mit Boy Boysen nur empfehlen. Es war der perfekte Abschluss unserer Nordfrieslandreise.

Am Tag darauf regnete es in Strömen. Der Wetterbericht liess keine Hoffnung auf schnelle Besserung zu und so fuhren wir zurück in die Schweiz. Dieses mal ohne Zwischenhalt, spulten wir die 1100 km an einem Stück herunter. Das kann ich nur wenn ich ausgeruht bin. Ein gutes Zeugniss für Nordfriesland. Nordfriesland war für uns die grosse Neuentdeckung und bestimmt war es nicht das letzte mal, dass wir dort oben waren.

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