Ein neuer wanderhirt – Simon Zaugg

Die Herde bewegt sich unter Simons Führung Richtung Säriswil, wo das nächste Weidefeld wartet.

In der Zeitung las ich zufällig einen Artikel über einen Wanderhirt, der aktuell in Gasel bei Bern unterwegs ist. Das machte mich aufmerksam, denn genau diese Route war über viele Jahre die Winterweide von Rudy Canonica, den ich während acht Jahren fotografisch begleitet habe.
Im vergangenen Jahr blieb die Strecke erstmals ohne Hirt, nachdem Rudy im Jahr zuvor seine letzte Winterweide absolviert hatte. Entsprechend war ich gespannt, wer nun diese Route übernommen hat.
Ich fuhr nach Gasel, um mir vor Ort ein Bild zu machen: Wer ist unterwegs? Wie gross ist die Herde?
Aus dem Zeitungsartikel wusste ich bereits, dass der Wanderhirt Simon Zaugg heisst und aus Lanzenhäusern kommt.
Vor Ort wollte ich mir selbst ein Bild von seiner Arbeit und seiner Herde machen.

Immer dabei sind die zwei Esel Irma und Erika

Herdenschutzhund Fugo
Ich stand am Feldrand in Gasel und beobachtete die Herde, wie sie auf der grossen Fläche weidete. Nach einem Jahr ohne Winterweide war es ungewohnt, wieder Schafe auf dieser Route zu sehen.
Rudy fehlt weiterhin – seine Art, sein Dialekt und seine Präsenz haben diese Strecke über Jahre geprägt. Viele Menschen aus der Region verbinden persönliche Erinnerungen mit ihm.
Gleichzeitig liess sich gut beobachten, wie Simon Zaugg die Herde auf der Route führt. Ich konnte ihn auf seinem Weg ins Seeland mehrmals besuchen. Dabei wurde deutlich, dass sich auch in einem traditionellen Beruf wie dem des Wanderhirten Arbeitsweisen verändern. Organisation, Abläufe und der Einsatz der Hunde sind heute teilweise anders als noch vor Jahrzehnten.
Für mich ergaben sich dadurch neue fotografische Situationen. Andere Konstellationen in der Herde, andere Bewegungsmuster, andere Bilder.
Besonders aufgefallen ist mir der Herdenschutzhund Fugo. Er bewegt sich sehr selbstständig innerhalb der Herde, bleibt aufmerksam und hält Distanz, zeigt aber auch sehr soziale Momente im Kontakt mit Menschen
Eindrücklich ist das Zusammenspiel zwischen Hirt und Hunden. Mit differenzierten Pfiffen gibt Simon klare Anweisungen, die präzise umgesetzt werden – ohne lautes Rufen (und fluchen 😉 ).
Vor wenigen Tagen haben Simon und seine Partnerin Mareike die Winterweide beendet.


Simon überquert mit 800 Schafen die Wohleibrücke






Die Herde überquert die Autobahn Brücke in Niederwangen




Alle Fotos von der Winterweide mit Simon Zaugg befinden sich hier
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