Alpabfahrt Bire
Reportage vom Oktober 2020
Ende September oder Anfang Oktober finden im Gantrischgebiet zahlreiche Alpabzüge statt, deren genaue Termine jedes Jahr variieren. Da ich etwas Zeit hatte, nutzte ich zwei Tage für Recherchen, um mich intensiver mit der Thematik vertraut zu machen. Dabei lernte ich zwei Familien kennen, darunter die Familie Mäder, die auf dem Birehubel im Naturpark Gantrisch einen Alpbetrieb führt. Freundlicherweise erlaubten sie mir, den Alpabzug Bire fotografisch zu begleiten, der bereits drei Tage später, an einem Samstag, stattfinden sollte.
Am Tag vor dem Abzug werden mit großem Engagement die Blumen für den Schmuck vorbereitet. Frauen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis sowie einige Kinder helfen tatkräftig mit. Die Kühe werden gründlich gereinigt, und alle Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Bei gutem Wetter war ich vor Ort und konnte bereits die Vorbereitungen dokumentieren.
Für den Samstag sagte der Wetterbericht allerdings Dauerregen und in höheren Lagen sogar Schnee voraus. Darauf eingestellt, machte ich mich um 6 Uhr morgens bei strömendem Regen auf den Weg. Über Schwarzenburg und Riffenmatt gelangte ich nach Schwarzenbühl, wo mich eine verschneite Winterlandschaft empfing – ein wahrer Glücksfall für einen Fotografen, da ein Alpabzug im Schnee äußerst selten ist.
Kurz nach 7 Uhr erreichte ich den Birehubel. Die Familie und ihre Helfer waren bereits seit Stunden aktiv und hatten sich mit einem Teller Rösti gestärkt. Die letzten Kühe wurden geschmückt, bevor der lange und anstrengende Weg nach Albligen angetreten werden konnte: 36 Kilometer mit rund 70 Ziegen, 90 kunstvoll geschmückten Kühen, zwei Pferden mit Wagen und zwei Eseln. Dieses Jahr durften die Esel aufgrund gesundheitlicher Probleme auf einem Wagen mitfahren, und auch die Pferde würden den verschneiten Abschnitt nicht zu Fuß bewältigen können – es war schlichtweg zu rutschig und gefährlich.
Gegen 8:15 Uhr setzte sich der Tross in Bewegung. Das Tempo der Kühe war beeindruckend, als sie sich auf den Weg Richtung Schwarzenbühl machten. Unterwegs schlossen sich die Ziegen an und übernahmen die Führung der Gruppe. Bis Schwarzenbühl war die Landschaft tief verschneit. Erst auf dem Weg hinunter nach Riffenmatt wich der Schnee grünen Wiesen, und es hörte auf zu regnen und zu schneien.
Für meine Kamera bedeutete dieser Tag eine erneute Belastungsprobe. Schnee und Regen lassen sich bei Reportagen kaum vermeiden, trotz aller Vorsicht. Schon im Vorfeld hatte ich entschieden, die gesamte Strecke bis Albligen nicht mitzulaufen. Nach dem Abschnitt bei Milken verabschiedete ich mich und ließ mich von meinem Schwiegervater zurück zur Unteren Gantrischhütte fahren, wo mein Auto wartete.