Winterweide von oben
Die Winterweide von oben
Während der letzten Jahre hatte ich immer wieder die Gelegenheit, die Wanderhirten Federico Cossali und Simon Zaugg auf der Winterweide fotografisch zu begleiten – manchmal vom Boden aus, manchmal aus der Luft. Besonders die Drohne eröffnet dabei eine Perspektive, die man als Beobachter am Wegrand kaum wahrnimmt. Wenn sich die Schafherden langsam durch Wälder, über Wiesen oder entlang schmaler Strassen bewegen, entstehen aus der Vogelperspektive Bilder von beinahe grafischer Schönheit. Die Tiere formen lange, fliessende Linien, die sich durch die Landschaft ziehen wie ein lebendiger Strom. Mal wirken sie wie ein helles Band, das sich durch dunkle Waldschneisen windet, mal wie verstreute Punkte, die sich über eine Wiese verteilen und doch als Herde zusammenbleiben. In solchen Momenten zeigt sich etwas sehr Poetisches: das ruhige Vorwärtsziehen der Tiere, das geduldige Lenken der Hirten, das Zusammenspiel von Mensch, Tier und Landschaft. Von oben betrachtet wird sichtbar, was man am Boden nur erahnt – die Struktur der Bewegung, die Rhythmik der Herde und die stille Ordnung, die in diesem scheinbar chaotischen Gewusel steckt.